SPD Kreisverband Ostalb

 

Unbekanntes Stuttgart von SPD-Senioren der Ostalb besucht

Veröffentlicht in AG 60plus


Die SPD-Senioren in Stuttgart

Am 16. Mai führte Gertraut Haug aus Gschwend 28 SPD-Senioren des Ostalbkreises in Bad Cannstatt, Hallschlag, Mühlhausen und Münster zu ihnen allen unbekannten attraktiven Orten der Großstadt Stuttgart. In Mühlhausen erwartete Pfarrer Roland Spur die Gäste vor der Veitskapelle, die nach dem Veitsdom in Prag benannt ist. Über der Tür im Tympanon ist die Grundsteinlegung von 1380 durch den Bauherren Reinhart von Mühlhausen in mittelhochdeutscher Schrift verewigt.

 

Dieser einheimische Müller hatte es bis zum Immobilienhai in der Prager Neustadt und Kapitalist, ja Regierungsmitglied Kaiser Karl IV. in der Spätphase des Mittelalters gebracht. Pfarrer Spur nannte als Motiv dieser kirchlichen Investition die Angst vor Fegefeuer und Hölle, die in dem ehemaligen Müller ausbrach, als sein Bruder starb. „Er wußte durch das biblische Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr, dass ein Reicher schwerlich in den Himmel kommt.

 

Diese schwarze Pädagogik der Angst vor dem christlichen Weltenrichter diente als eine jahrhunderte lange Befeuerung der Wohlhabenden, ihr Geld vor dem Tod der Kirche zu geben“ – so der Referent. Die große Kapelle macht den Eindruck einer von farbigen Fresken und vielen Skulpturen ausgefüllten besonderen Kirche, ein verborgenes kulturelles Kleinod im kleinen Mühlhausen. Die Bildergeschichte vom Leben des heiligen Veits, eines glaubenstarken jungen Wundertäters und Märtyrers des frühen Christentums, natürlich das Weltgericht mit Christus in der Mandorla und vieles mehr ist erhalten, weil die Kirche lange in Privatbesitz blieb und so nach Spurs Erklärung die Bilderstürmer der Reformationszeit keinen Zugang fanden. Die Erkenntnis der SPD-Senioren: die Veitskapelle ein verborgenes Highlight der religiösen Kultur.

 

Über die ehemalige riesige Reiterkaserne in Hallschlag, die heute privatisiert ist und vor allem private Geschäfte und Dienstleistungen beherbergt, ging es zum Travertinpark. Unterwegs erzählte Wolfgang Riegraf von Hüttlingen einen Streich als 12-jähriger Bub. Er besuchte anfangs der fünfziger Jahre seinen Onkel Gerhard, der in der damals amerikanischen Kaserne als Leiter der Fahrbereitschaft arbeitete. Dort stellte er erfreut fest, „dass alle Riesenautos der Amis mit offener Tür und steckendem Schlüssel ausgestattet waren“. Da unternahm er seine 2. jugendliche Schwarzfahrt diesmal durch die gesamte Kaserne – unfallfrei, mußte aber am Ende die Wutrede des Onkels ertragen, der Angst um seinen Arbeitsplatz bekam.

 

An der Abbruchkante des Travertin an der Grenze zwischen Hallschlag und Bad Cannstatt gab es einen weiten Blick über ganz Cannstatt, hinweg übers Neckarstadion, Gaskessel und große Teile des Stuttgarter Ostens bis Obertürkheim. In dieser weiten Landschaft des Neckarlandes lebten seit dem homo erectus immer Menschen. Auf den von der Stadt Stuttgart aufgestellten vorzüglichen Schautafeln wird die Zeitreise von der Entstehung aller geologischen Schichten bis zur aktuellen Industriegeschichte sehr verständlich erklärt. Der poröse, aber sehr harte Baustein Travertin hat ein gelbbraunes oder ockerfarbenes Aussehen. Im ehemaligen Steinbruch Haas zeigt sich eine fast 50 m hohe senkrechte Wand auch mit kurzen Zwischenschichten. Entstanden ist der Travertin in den Warmzeiten der Eiszeit. Tief in der Erde banden sich unter Druck vor allem CO², Gips, Steinsalz und Kalk im Grundwasser. An der Oberfläche löste sich Kohlenstoffdioxid aus dem mineralischen Sauerwasser, fielen die anderen Mineralien in kleinen Kristallen aus, wenn die Wasser über die Steilwand ins Neckartal flossen. Noch heute lösen sich jedes Jahr 60 t Mineralsalze in den vielen Mineralquellen von Stuttgart.

 

Die ehemalige Abbaufirma Lauster beherbergt heute 3 Recyclingfirmen mit sehr viel LKW-Verkehr und eine riesige Müllverbrennungsanlage von EnBW samt Rauchgasreinigung. Auf dem Tunnelweg zur Haltestelle der Straßenbahn Münster Viadukt roch es dennoch heftig nach Chemie. Mancher Senior fragte sich, ob diese kompakte Industrieanlage wirklich in diese dicht besiedelte Landschaft paßt? 14 ca. 20 m hohe Travertinsäulen fast im dorischen Stil wurden auf Begehr von Hitlers Baumeister Speer von der Firma Lauster vor dem Krieg noch hergestellt, aber nie abgeholt. Wahrscheinlich waren sie für Hitlers Neuberlin „Germania“, Hauptstadt Großdeutschlands nach dem Sieg, bestimmt und sind jetzt nur noch beeindruckendes Photomotiv kurz vor dem Tunnel zur Straßenbahn –ein Menetekel des Größenwahns. Im Cannstatter Bahnhof dankte die 1. Vors. Marga Elser Gertraut Haug für die vorzügliche Planung und Durchführung der Exkursion: „Unglaublich, wie viele oft unbekannte kulturelle und geologische Attraktionen Stuttgart bietet“.

 

Karl Hermann Koschorreck

 
 

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